Foto: Michael Paul Romstöck

Foto: Michael Paul Romstöck

Im Grunde eignet sich kein Augenblick so vorzüglich für ausführliche Resignation wie der Anfang. Nie lässt sich so leicht aufgeben. Technisch gesehen wäre es ja nicht mal eine Aufgabe: Bevor man angefangen hat, gibt es ja noch gar nichts aufzugeben. Höchstens ein Vorhaben, aber vielleicht war das ja auch gar nicht so ernst gemeint. Zumindest könnte man behaupten, es wäre einem nie ernst gewesen. Oder am besten hat man eh noch niemandem erzählt von seinem Vorhaben.

Formal betrachtet ist es durchaus korrekt: Was nicht angefangen hat, kann gar nicht weitergehen. Man ist also eigentlich nur Realist. Realistisch ist auch, dass – egal was man anfängt – immer irgendetwas schiefgehen wird oder zumindest anders kommt als gedacht. Und dann? Dann weiß keiner mehr weiter. Zumindest weiß jetzt noch niemand, wie es dann weitergehen soll – weil man ja noch gar nicht wissen kann, um was für Probleme es sich handeln wird.

Ganz beispielhaft für gelungene Resignation zeigt sich das Projekt, eine leere Seite zu beschreiben. Ein Problem, das wir alle kennen – das dem einen oder anderen aus beruflichen oder freizeitlichen Gründen vielleicht häufiger begegnet –, das sich aber auch problemlos auf alle anderen Anfänge übertragen lässt. Das Problem der leeren Seite ist nicht, dass es nichts gäbe, was draufgeschrieben werden könnte. Irgendein Satz fällt jedem ein, vielleicht sogar einer, der zu dem Thema passt, über das man schreiben möchte. Doch der richtige Satz will es einfach nicht werden.

Der Medienwissenschaftler Joseph Vogl hat einmal bemerkt, das größte Problem beim Schreiben wären all die Klischees und Dummheiten, mit denen jedes Blatt schon vor dem ersten Pinselstrich völlig vollgeräumt zu sein scheint – Dinge, die bereits tausendmal gesagt wurden und deshalb trotzdem nicht wahrer werden. Also lieber nichts schreiben, die Seiten leer lassen. Nur so kann man wirklich sichergehen, dass alle Probleme vermieden, allen Klischees ausgewichen werden kann. Aber dieser Text hat leicht reden, er ist schon geschrieben. Danach weiß man immer alles besser.

 

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